Waldkindergarten: Vorteile & Nachteile

Freiluft Toiltte im Waldkindergarten

Auch ein Waldkindergarten hat Vorteile und Nachteile. Doch was erwartet euch an Schönem und Herausforderungen? Dies sind die Pros und Contras eines Waldkindergartens aus 3 Jahren Erfahrung. 

Waldkindergarten Nachteile und Vorteile

9 Waldkindergarten Vorteile

1. Natur pur

Frischluft und natürliches Entwickeln

Wir Eltern wollen, dass unsere Kinder viel an der frischen Luft sind. Wir haben aber nach Feierabend und Haushalt oft wenig Zeit zum Rausgehen.

Im Waldkindergarten toben die Kinder draußen in der Natur während wir arbeiten gehen. Die Kinder lernen in und von der Natur, können sich austoben und haben einen erlebnisreichen Tag verbracht.

2. Viel Platz

Großzügiges Terrain

Auch Waldkindergärten haben Grenzen, aber sie sind sehr großzügig. Kinder bekommen den Raum, den sie zum spielen, toben und rennen brauchen. Sie haben Platz in kleineren und größeren Gruppen zu spielen. Aber auch alleine zu spielen oder einfach vor sich hin zu träumen ist immer möglich.

3. Die richtige Lautstärke

Tägliches “Waldbaden”

Du wirst dich wundern, aber ein Waldkindergarten ist ein vergleichsweise ruhiger Ort.
Natürlich hörst du schon von weitem Kinder rufen, lachen (oder auch mal weinen). Aber die Geräusche verteilen sich auf großem Raum und Bäume, Waldboden und andere Pflanzen schlucken den Schall.

Stress durch Lärm sind deine Kinder hier nicht ausgesetzt. 

4. Immer neue Abwechslung

Kein Tag ist wie der andere.

Viele Waldkindergärten haben einen Platz für Zusammenkünfte (z.B. Morgenkreis), Matschlöcher, Klettersteine, einen kleinen Garten und viele andere Orte zum Spielen. Im Bauwagen wird gebastelt und geschlafen. Bei schlechtem Wetter bietet er Schutz.

Auch Tätigkeiten für die Gemeinschaft wie das Verräumen von Feuerholz stehen auf dem Programm.

5. Fantasievolles Freispiel

Plastikfreies Spielen

In den meisten Waldkindergärten herrscht Spielzeugverbot. Die Matschküche ist oftmals mit alten Töpfen und Schöpflöffeln ausgestattet und im Winter wird auf echten Schlitten gerodelt. Aber das sind meist die Ausnahmen. Die Kinder spielen mit allem, was der Wald so hergibt.  Äste sind mal Zauberstab, mal Schwert und mal Schaufel. Auf Baumstämmen werden Blätter, Gräser und Bucheckern zum Verkauf feilgeboten.

Der Fantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt. Das freie Spielen schafft Selbstbewusstsein und Resilienz. Und ganz zur Not gibt es ab und zu den “Spielzeugtag“, an dem jedes Kind ein waldtaugliches Spielzeug mitbringen darf.

6. Motorik und Gefahreneinschätzung

Über Stock und Stein

Es gibt wissenschaftliche Studien über die bessere Motorik von Kindern aus Wald- und Naturkindergärten. Insbesondere im Punkt Bewegungsablauf und Toleranz für das Hinfallen kann ich bestätigen, dass das tägliche klettern und kraxeln seine Vorteile mit sich bringt.

Die Kinder entwickeln auch einen sehr guten Sinn dafür, wo sich Gefahren in der Natur verbergen. Sie lernen in welchen Situationen ein Erwachsener zu Hilfe geholt werden muss.

7. Wahrnehmungsfähigkeiten

Die Kinder leben mit den Jahreszeiten.

Die Natur ist im steten Wandel und bringt ständig wechselnde Eindrücke und Reize mit sich, ohne aufdringlich zu sein. Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben ihre eigenen Charakterzüge. Ebenso wie die jeweiligen Tageszeiten.

Kinder können ihre natürliche Neugier an verschiedenen Pflanzen und Tieren sowie an Abläufen in der Natur stillen. Sie werden ständig angeregt, neu zu entdecken. Mehr zum Waldkindergarten Konzept findest du hier.

8. Gesundheit

Die Imunabwehr ist gut aufgestellt.

Ein tägliches Leben auf Wald und Wiesen bringt eine stabile Gesundheit mit sich. Natürlich bleiben Kinder im Freien auch nicht von der Schnupfnase verschont. Auch das erste Kindergartenjahr ist nicht ohne. Nach meiner persönlichen Erfahrung ist ihr Imunsystem jedoch stabiler und deutlich weniger anfällig.

Auch Viren scheinen an der freien Luft schwierigere Bedingungen vorzufinden. Der Kindergarten im Wald steht  unter ständiger Belüftung. Das scheint sie vor Herausforderungen zu stellen.

9. Umweltbewusstsein entdecken

Der Standortvorteil einer umweltsensiblen Erziehung.

Wir alle wurden bereits in unserer Kindheit umweltsensibel erzogen- Auch heute noch gewinnt das Thema weiter Tag für Tag an Wichtigkeit. Kindergärten im Freien haben eine einmalige Chance, ein wichtiger Treiber in der natur- und umweltsensiblen Erziehung unserer Kinder zu sein. Sie haben einen einmaligen Standortvorteil.

6 Waldkindergarten Nachteile

1. Dreck

Matsch bekommt eine neue Dimension.

Mindestens ein Mal in deiner Zeit als Waldkindmama wirst du sprachlos vor eingeschlammter Kleidung stehen. Obwohl du bereits einiges gewöhnt bist. Ich spreche von zentimeterdicken Schichten von Kapuze bis Schuhsohle, die mit einem Schaber abgeschabt werden müssen bevor du mit dem tatsächlichen Reinigen  anfangen kannst. Und egal wie viele Schonbezüge du für dein Auto kaufst, das putzen gehört auch dort zum Dasein von Waldkindeltern.

2. Kleidung

Ein Waldkind braucht robuste Kleidung.

Je nach Jahreszeit braucht dein Waldkind solide Outdoorkleidung. Sie muss mal gegen Kälte, Regen, Sonne, unebenen Boden oder auch Insekten (insbesondere Zecken) schützen. Meist wird sie zusätzlich zur “Alltagskleidung” angeschafft. Das kann finanziell eine kleine Herausforderung sein.

3. Richtig mieses Wetter

Es gibt Tage, da will man nicht raus.

Dein Waldkind ist bei jedem Wetter draußen- Auch wenn das Wetter nicht gerade einladend ist. An den meisten dieser Tage macht es den Kindern nichts aus. Wenn dein Kind jedoch einen schlechten Tag hat ist sehr viel Überzeugungsleistung gefragt. (Anmerkung: In sehr seltenen Ausnahmen wie z.B. an Sturmtagen sind die Kinder im Bauwagen oder einem anderen geschützten Ort.)

4. Gefahren

Die Natur ist schön, aber kein Feenland.

Es lauern Gefahren durch Pflanzen, die giftig sind oder verletzen können. Auch das spielen mit Stöcken, klettern auf Baumwurzeln und rennen auf unebenen Terrain kann und wird in Verletzungen enden. Diese Gefahr muss man sich vor Augen führen und prüfen, ob man ein gutes Verhältnis zu diesem Punkt hat.

5. Pipi machen

Das kleine und das große Geschäft ist nicht immer einfach.

Nicht nur für Mädchen kann der Toilettengang im Wald eine Herausforderung sein. Toiletten draußen sind sehr minimalistisch. Sie bestehen meist aus einem Donnerbalken aus einem Ast. Im Bauwagen gibt es ein Plumpsklo. Je nach Füllstand riecht es aber etwas streng. Manche Kinder lassen dann lieber alles so lang wie möglich “drin”. Oder eben laufen. Es gibt einige Möglichkeiten um vorzubeugen.  Oder im Nachgang alles zu tun, dass es nicht zu Wundsein oder Entzündungen kommt.

6. Anfahrt

Hol- und Bringwege müssen realistisch sein.

Waldkindergärten liegen oftmals nicht fußläufig zur eigenen Wohnung. Dieser Weg muss in deinen Tagesablauf integriert werden und auch die Benzinkosten müssen getragen werden.

Wiegen die Vorteile die Nachteile auf?

Je nach euren persönlichen Lebensprioritäten, werden diese Vor- und Nachteile natürlich stärker oder schwächer ins Gewicht fallen.

Für mich persönlich überwiegen die Vorteile stark. Insbesondere das fantasievolle, freie Spielen und der großzügige Raum machen für mich jeden Nachteil wett.

Auch mein 3. Kind geht daher in den Waldkindergarten.

Ich bin Kristin und Mama von drei echten Waldkindern.

Seit 2017 darf ich mich Waldkind-Mama nennen. Während mein großes Waldkind nun den Schritt in die Schule gemacht hat, tobt das mittlere, freche täglich durch den Wald. Und ein kleines Bald-Waldkind steht schon in den Startlöchern.
Über die Jahre habe ich viel aus der Waldkindergarten-Zeit gelernt und freue mich, Eltern und Interessierten Tipps und Tricks für diese wunderbare Lebensphase an die Hand zu geben. 

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